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Ostergeschichte Teil 1

Hase und Igel - eine Ostergeschichte

Teil I

 

Selina stand an der Staffelei, die sie am Ufer des Weihers aufgebaut hatte. Ihr Blick ging ständig zwischen dem angefangenen Porträt auf der Leinwand und ihrem Spiegelbild im Wasser hin und her. Sie hatte gerade eine Tube Krapprot aufgeschraubt, um etwas davon auf ihre Palette zu drücken, als eine Stimme hinter ihr sie herumfahren ließ. Vor Schreck geriet ihr unbemerkt ein dicker, roter Klecks auf den Malerkittel.

Selina erblickte im Gras schräg hinter ihr Anton Igel, der sich heimlich angeschlichen hatte. „Na was haben wir denn da für eine hübsche Narzisse?“, quäkte er und musterte sie aus kleinen, zwinkernden Augen von oben bis unten. Selina warf den Kopf nach hinten, dass ihre langen, seidigen Ohren nur so flogen. „Das ist keine Eitelkeit, sondern Training für Auge  und Hand. Schließlich will ich nächste Woche den Ostereier-Design-Wettbewerb gewinnen“, beschied sie dem Igel. „Den Ostereier-Design-Wettbewerb“, äffte der sie nach. „Du solltest mal lieber an einem richtigen Wettbewerb teilnehmen.“ „Und was ist in deinen Augen ein richtiger Wettbewerb?“ fragte Selina. Eigentlich wollte sie nur in Ruhe weitermalen, aber sie merkte, dass sie den unerwünschten Besucher so schnell nicht wieder loswürde. Der antwortete ihr in herausforderndem Ton: „Na, ein Wettrennen zum Beispiel. Wir beide, du gegen mich. Und wenn ich gewinne, bekomme ich zwei Dutzend von deinen Eiern.“ Er leckte sich genießerisch die Lippen. Selina musste lachen. „Ich gegen dich? Das meinst du doch nicht im Ernst. Aber nur mal angenommen, was würde ich denn gewinnen?“

 

 

Das hatte sich der Igel schon genau überlegt, denn er wusste, womit er die Häsin ködern konnte. Gewinnen würde er mit seinem schlauen Plan auf jeden Fall, deshalb versprach er ihr großspurig: "Dann bezahle ich dir die Eierfarben und den ganzen anderen Kram, den du für dein Design-Dings brauchst.“

Selina überlegte. Wenn Anton das wirklich ernst meinte, könnte sie sich vielleicht sogar die Swarovski-Kristalle leisten, auf die sie schon so lange scharf war. Damit wäre ihr der erste Platz sicher, das glaubte sie fest. Und was hatte sie schon zu verlieren? Zwei Dutzend Eier, die sollte sie von den Hennen wohl zusätzlich bekommen können. „Na gut“, willigte sie ein. „Wann und wo wollen wir laufen?“ „Warum nicht gleich hier und jetzt? Bis zum anderen Ende der Wiese und zurück, um ganz sicher zu sein“, schlug der Igel vor, der alles schon vorbereitet hatte.

 

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