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Erntedank

 

In unserem Garten steht ein Holunder. Ich hatte ihn mir als Hausbaum gewünscht und von meinen Freundinnen zum Einzug geschenkt bekommen. Nachdem ich ihn ziemlich blauäugig vor die Terrasse gepflanzt hatte, merkte ich bald, dass so ein Strauch? Baum? wächst, und zwar in einem atemberaubenden Tempo. In den folgenden Jahren brachte er dann auch entsprechend viele, wunderbar duftende Blütendolden hervor, was mich jedes Frühjahr wieder vor eine schwierige Entscheidung stellte. Mir lief regelmäßig das Wasser im Mund zusammen bei der Vorstellung von köstlichen, in gold-braunem Bierteig ausgebackenen Holunderblüten. Meist entschied ich mich dann doch für die zweite Variante, Holunderlikör, und verschob die Ernte folglich auf den Herbst.

 

 

Der Holunder wuchs und gedieh, nahm aber den umliegenden Pflanzen immer mehr das Licht. Irgendwann wuchs mir das Ganze über den Kopf und Wikipedia belehrte mich, dass Sambucus nigra bis zu 15 Meter hoch werden kann. Unser Garten allerdings ist winzig. Schweren Herzens entschloss ich mich daraufhin zur Trennung und bat ich meinem Mann, sich als Holzfäller zu betätigen. Dem Stumpf wurde, um ihn als mögliche Stolperfalle zu kennzeichnen, dekorativ ein Blumentopf übergestülpt.

 

Nun weiß jeder, dass nichts und niemand einen Holunder vom Wachsen abhalten kann. Auch unserer erhob sich wie der Phönix aus der Asche und bald sprossen wieder hübsche grüne Zweige aus dem Stumpf. Alles halb so wild, kann man ja abschneiden, wenn sie zu groß werden, dachte ich. Nach und nach  erschienen im Frühjahr auch wieder ein paar Blütendolden und wurden wie üblich hängen gelassen, die paar Beeren im Herbst blieben für die Vögel und Mäuse.

 



In diesem Jahr hing der Busch aber auf einmal wieder richtig voll, und ich schnitt die Zweige, die keine Früchte trugen, rigoros zurück. Die Ernte war ordentlich, hätte jedoch nur für sehr wenig Likör gereicht. Dafür hatten wir aber  Äpfel ohne Ende an unserem Patenbaum auf der Streuobstwiese. Da erwachte mein sonst eher zurückhaltender Hausfraueninstinkt und ich sah eine Reihe lecker gefüllter Marmeladengläser an meinem inneren Auge vorbeimarschieren. Apfel und Holunder, eine gelungene Kombination. Also frisch ans Werk. Das Ergebnis ist ausgesprochen lecker. Die Menge allerdings – die hatte ich gründlich unterschätzt. Jetzt muss ich erst einmal noch weitere Gläser kaufen …

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Nana (Montag, 21 September 2020 19:59)

    Falls Du aber nicht weißt, wohin mit der leckeren Marmelade: Hier wäre ein dankbarer Abnehmer! ;-)
    Vielleicht tauschst Du aber auch nur?
    Na, wie wär's? Apfel-Hounder gegen Quitte-Birne?

  • #2

    Scriptmarie (Dienstag, 22 September 2020 14:19)

    Hallo Nana, Quitte-Birne klingt verlockend. Du würdest aber vermutlich einen schlechten Tausch machen, denn meine "Marmelade" ist immer noch nicht fest geworden. Als Fruchtsoße auf Eis oder Pudding aber bestimmt sehr lecker :)