Glückskekse

 

 

Früher sind wir öfter mal chinesisch essen gegangen oder haben Essen „vom Chinesen“ geholt. Das war lange vor den heute üblichen Lieferservices, so dass man noch selbst laufen musste.  Schneller ging die Aktion über die Bühne, wenn man vorher telefonisch seine Wünsche übermittelt hatte.

 


 

 

Wie auch immer, ob am Tisch im Restaurant oder im Verpackten zum Mitnehmen, es gab jedes Mal eine kleine Aufmerksamkeit des Hauses. Den Glückskeks.

 

Ein merkwürdig gebogenes, trockenes, fade-süßlich schmeckendes Gebäckstückchen, das man getrost ignorieren konnte. Nicht so den Inhalt.

 

 


 

Denn der Spruch,  der darin umseitig auf Englisch und Deutsch zu lesen war, konnte einem ja ungeahnte Einblicke in die Zukunft verschaffen. Es waren meist grandiose Weisheiten wie: "Sie werden nie wieder ihren Regenschirm vergessen." (Ehrlich, das hat bei uns jahrelang für Gesprächsstoff gesorgt!) Immerhin konnte man mit der Übersetzung durchaus seine Fremdscprachenkenntnisse aufbessern. 

 

 

Letztens haben wir, aus Gründen, die ich gerade nicht mehr nachvollziehen kann, Urlaub in Bad … gemacht. Die Bandbreite der dort ansässigen Restaurants reichte von Pizza, Pasta, Italienisch und wieder zurück. Gerüchteweise soll es auch einen Griechen gegeben haben. Der kulinarische Rausreißer war aber ein Chinarestaurant, das sowohl Takeaway als auch ein All-You-Can-Eat Buffet anbot. Beides haben wir genutzt.  Und jedes Mal haben wir uns auf die Glückskekse gefreut.

 


 

Das große Entsetzen kam beim Lesen der zukunftsverheißenden Zettelchen. Auf einmal hatten Vorder- und Rückseite nichts, aber auch gar nichts mehr miteinander zu tun. Oder ist „Wer schön sein will, muss leiden“ die wortgetreue Übersetzung von „Fortune is blind“? Heißt „Geh mit den Menschen wie mit Holz um, um eines wurmstichigen Stückchens würdest du nie den ganzen Stamm wegwerfen“ auf Englisch etwa „God never sends mouth but he sends meat“?

 

Ich bin enttäuscht. Und verunsichert. Welche Seite weist mir denn jetzt die Zukunft?

 

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