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Auf der Autobahn

Heimfahrt vom Osterurlaub an der Ostsee.

Im Auto zunächst lebhafte Rückschau auf eine wirklich wunderbare Woche.

 

Allmählich verstummen meine Beifahrer, die Köpfe sinken zurück oder zur Seite, ruhiges Atmen breitet sich aus. Ich als Fahrer muss aufmerksam bleiben. Aber wie? Der Strom der Konversation ist versiegt, jetzt ist es an mir, mich am Wegdämmern zu hindern. Die frühlingshafte Landschaft ist traumhaft schön, aber keine wirkliche Herausforderung für mein Hirn auf der Suche nach etwas, das mich wach halten kann.  Mein Blick fällt auf das Auto vor mir. Lesen geht immer, also entziffere ich: PLÖ – DI. Kurz darauf überhole ich DO-WA. Hinweise auf den Intelligenzquotienten der Fahrer? Wahrscheinlich keine Absicht, aber ich habe mein Spiel.  

 

Kennzeichen lesen, merke ich bald, kann richtig Spaß machen. GE-LT (na gut, Rechtschreibung ist nicht jedermanns Sache), EU-RO und CE-NT decken den Finanzsektor ab. Vielleicht auch versteckte Hinweise auf die anstehende Europawahl?

 

Ein Auto schickt mir die Handlungsaufforderung: DO-IT. Aber was? Mir fallen auf Anhieb mindestens ein halbes Dutzend unbewältigter Aufgaben ein, die ich aber unmöglich während der Fahrt erledigen kann. Ein paar Kilometer weiter kommt der Vorschlag: SU –MM.

Äh – lieber doch nicht. Einer meiner schlafenden Mitfahrer könnte aufwachen und mich hören…

 

 

Länder lesen geht am besten bei LKWs. Skandinavien, die baltischen Staaten, Polen, Südosteuropa. Die allgegenwärtigen Niederländer. Ein einzelner Brite - ein PKW -  traut

sich noch ins europäische (bald) Ausland.

 

Zwischendurch tauchen immer wieder Namen auf. EL-SE , BO-DO, E-VA, SU-SI. Ob die wirklich alle so heißen?

OL-GA schleicht nervtötend auf der Mittelspur und entpuppt sich beim Überholen als Mann.

 

Das Kennzeichen VER-DI lässt mich minutenlang darüber nachsinnen, ob der Fahrer Musikliebhaber oder bekennender Gewerkschafter ist.

 

HEI-M will ich auch. Bald haben wir es geschafft ...

 


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