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Märchen zum Advent Teil III

Daraufhin verschwand der Alte in einem tiefen, hinter Blättern verborgenen Gang und kam bald darauf mit einem Beutel aus feinster Spinnenseide zurück. Darin war ein Instrument verwahrt, eine silberne Harfe, deren Saiten er nun leise erklingen ließ. Die glockenklaren Töne rührten den Hummelprinzen bis tief in sein Herz. Er wiegte sich sachte zu den immer fröhlicheren Klängen und es fehlte nicht viel, da hätte er zu tanzen begonnen, so leicht und beschwingt fühlte er sich auf einmal. „Das ist ja ein wunderbares Instrument“, rief er aus, als der Hirschkäfer zu spielen aufhörte. „Das kann gewiss auch die tiefste Schwermut heilen!“
„Ich habe es vor vielen Jahren, als ich noch ein junger, abenteuerlustiger Hüpfer war, dem Riesen Raterecht abgewonnen“, erklärte Basileus. „Er hatte mich in einem unaufmerksamen Moment erwischt, als ich gerade neugierig in sein Haus zu schauen versuchte. Er wollte mich schon zertreten, aber ich konnte ihn überreden, ihm stattdessen drei Rätsel aufzugeben. Du musst nämlich wissen, dass Raterecht für sein Leben gerne Rätsel löst und jeden belohnt, der ihm eines sagt, das er nicht erraten kann. Für das erste Rätsel wollte er mir das Leben schenken, für das zweite meine Freiheit, und für das dritte diese silberne Harfe. Tatsächlich waren alle meine Rätsel so schwer, dass er nicht auf die Antworten kam, also musste er mich ziehen lassen. Ich hatte schon die Harfe ergriffen und wollte mich schnellstens davon machen, als er sich plötzlich anders besann und mich am Bein packte, um mich festzuhalten. In letzter Sekunde konnte ich entwischen, aber mein Bein habe ich dabei verloren“, erzählte der alte Käfer.
Dann verriet er dem Hummelprinzen die übrigen Eigenschaften der silbernen Harfe. Ihr Klang konnte alle traurigen Herzen erfreuen und die Gemüter leicht und froh stimmen. Spielte man aber eine ganz bestimmte, misstönende Melodie, so wurden alle Zuhörer zur Unbeweglichkeit gebannt. Und schließlich vermochte ein Meisterspieler sogar mit Hilfe der Harfentöne dem Wetter zu gebieten.
Der Prinz bat Basileus inständig, ihn zu unterrichten. Der alten Käfer, der ihn inzwischen auf seine brummige Weise liebgewonnen hatte, lehrte ihn das Spiel auf der Zauberharfe. Prunavius erwies sich als begabter Schüler, und schon nach kurzer Zeit konnte er sich aufmachen, die Hand der Hummelprinzessin zu gewinnen.

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