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Märchen zum Advent Teil II

Das landete mit ihm im Efeu an der hohen Mauer und setzte ihn vorsichtig auf einem der gelappten Blätter ab. Als der Hummelprinz seine fünf Sinne wieder beieinander  hatte, sah er, dass er seine Rettung einem großen, alten Hirschkäfer verdankte, dem das linke Hinterbein fehlte. „Das ist ein ganz schöner Kraftaufwand für mich“, brummte der verdrossen. Der Prinz bedankte sich, immer noch zitternd, höflich bei seinem unwilligen Lebensretter. „Wer bist du?“, fragte er vorsichtig. „Basileus“, kam es kurz zurück. „Ich lebe hier im Efeu und halte mich im Übrigen lieber für mich.“ Er hinkte zu einem Spalt in der Mauer und kam mit einer Karaffe und zwei winzigen Gläsern wieder, in die er eine blassgelbe Flüssigkeit goss. „Melissenlikör“, erklärte er, „beruhigt die Nerven. Trink aus, dann kannst du weiterfliegen.“ Gehorsam trank der Prinz den wohlschmeckenden Likör. Aber nach Weiterfliegen war ihm noch nicht zu Mute. „Ich könnte deinen Rat in einer wichtigen Angelegenheit brauchen“, sagte er rasch, um ein wenig länger bleiben zu dürfen, und fing an, seine Geschichte zu erzählen.
Als er bei seinem Entschluss angekommen war, in die Welt hinaus zu ziehen und sein Glück zu suchen, nickte der alte Einsiedler zustimmend. „Eine kluge Entscheidung. Du kannst dabei viel gewinnen.“ Und er erzählte ihm, was vor einigen Tagen ein Herold überall verkündet hatte, dass nämlich die Hand der einzigen Tochter der Hummelkönigin von der südlichen Mauer demjenigen gehören sollte, der sie von ihrer unerklärlichen Schwermut heilen würde. Prunavius wollte nur zu gerne die Hand einer Prinzessin gewinnen und fragte den Hirschkäfer, ob er einen Rat wisse.

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