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Menschliche Schicksale im Fernsehen - Barriere durchbrochen

Viele Dokumentationen und Reportagen im Fernsehen zeigen uns Menschen in aller Welt und ihre Schicksale. Wir jubeln, freuen uns mit oder sind betroffen, empört, geschockt – kurz, wir fühlen mit diesen Menschen. Immer ist da aber diese unsichtbare Barriere, die Mattscheibe, die uns wirkungsvoll eine Distanz aufzwingt. Sie ermöglicht es uns, jederzeit diesen - einseitigen - Kontakt abzubrechen und uns in unsere eigene Realität, in unseren Alltag zurückzuziehen. Selten nehmen wir diese Menschen mit in unsere Träume oder in unsere schlaflosen Nachtstunden. Und nur ausnahmsweise gelingt es uns trotz allem aufrichtigen Mitfühlen und Mitleiden, den Menschen hinter Glas wirklich nahe zu kommen.

 

Neulich kam bei Quarks & Co eine Sendung über den Braunkohleabbau in Garzweiler (link). Gegen Ende der Reportage gab es einen Rückblick auf den Besuch Ranga Yogeshwars vor einigen Jahren in einer kleinen Gemeinde von vielen, die dem Braunkohleabbau weichen mussten und auch heute noch müssen. „In den letzten Jahren verloren tausende Menschen ihre Heimat wegen des Bergbaus. Die Bewohner werden abgefunden und müssen gehen. Wer sich weigert, wird enteignet …“, klingt es aus dem Off.

 

Kurz vor dem Verschwinden der kleinen Ortschaft Holz hatte Yogeschwar mit einem der letzten 3 Bewohner gesprochen, die dort noch ausharrten und ihre Heimat nicht verlassen wollten. Vor dem Hintergrund eindrucksvoller Bilder von Abrissbaggern, untermalt von düsterer Musik, wurde uns Zuschauern die ganze Tragik dieser Situation bewusst. In seinem Gespräch mit einem der Betroffenen erlebte man den Verlust von Familie, Freunden und persönlichen Erinnerungen so stark mit,  dass es einem kalt über den Rücken lief. Dennoch war es bis dahin für mich etwas, das im Fernsehen stattfand, in jenem von meiner direkten Wirklichkeit abgetrennten Bereich, den ich jederzeit ausblenden konnte.

 

Da kam aus heiterem Himmel der Moment, als der Moderator im Haus des Ehepaares einen Kaffee trank. Ein Bild von der Kaffeetasse ließ mich erschrocken zusammenfahren – das Kaffeegeschirr war exakt das gleiche, das auch bei mir zu Hause im Schrank steht! Auf einen Schlag waren aus den sympathischen, aber doch fernen Personen Menschen geworden, mit  denen ich eine direkte Verbindung herstellen konnte, Menschen wie ich auch …

 

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