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Die Kuh

Garten nebenan
Kuh

 

 

 

Im Garten nebenan steht eine Kuh. Lebensgroß, lebensecht und – aus Plastik. Wann immer wir tagsüber aus dem Fenster schauen, schaut sie zurück. Nachts ist es glücklicherweise dunkel.

 

Viele Leute stellen oder hängen mehr oder weniger dekorative Sachen in ihren Garten:  Zwerge, Tierchen, kunstvolle Sprüche, LED-Leuchten oder bunte Lichterketten. Ich habe sogar schon leuchtende „Steine“ gesehen. Über Geschmack  lässt sich bekanntlich nicht streiten.

 

 

Aber eine lebensgroße Kuh? Bei jedem Blickkontakt mit dem Plastikpaarhufer grüble ich aufs Neue über das Warum. Vielleicht eine unbestimmte Sehnsucht nach ländlicher Idylle. Oder die Kuh als Geschenk, das man nicht einfach unauffällig entsorgen konnte.

 

Obwohl – da gäbe es sicher Möglichkeiten. Der Kuh könnte beispielsweise ein Unglück zustoßen. Mit der Kettensäge oder dem Schneidbrenner … Na ja, eher schwer, das dem wohlmeinenden Geber als Unfall zu erklären. Aber natürliche Ursachen wie Regen, Schnee, Hitze oder Kälte scheiden ja als ungeeignet aus. Plastik ist eben schwer beizukommen, sonst würden nicht Millionen Tonnen davon in unseren Meeren herumschwimmen.

 

 

Doch was ist mit richtig verheerenden Naturgewalten? Ein ordentlicher Orkan, und schon können Schweine fliegen. Leider flögen dann wohl auch eine Menge andere Sachen. Ich sehe schon die Schlagzeilen: “Unbeteiligter Passant von fliegender Kuh getroffen“ oder „Gartenstuhl kracht in parkendes Auto“ …

 

Während eines heftigen Gewitters letzte Nacht kam mir eine neue Idee. Wenn ein Blitz in die Kuh – und nur in die Kuh – einschlüge? Seitdem konstruiere ich in Gedanken einen langen Metallstab samt passendem Befestigungsgurt für den Rindviehrücken. Und warte auf das nächste Gewitter …

 

Sollten die Nachbarn allerdings wirklich an ihrem Haus- bzw. Gartentier hängen, will ich nichts gesagt haben. Auch wenn meine Frage nach dem tieferen Sinn wohl ewig unbeantwortet bleibt.

 

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