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Du? Sie?

Als Kind ist alles ganz einfach. Familie, Verwandte und andere Kinder werden geduzt, Erwachsene dagegen gesiezt. In der Schule auch alles klar. Erst in der Oberstufe wird man von den Lehrern gesiezt. Quasi der erste Schritt ins Erwachsenenleben.

 

Erwachsen ist aber kompliziert.

 

In der Ausbildung oder unter Studenten duzt man sich, klar. Als gleichgesinnte Mutter im Geburtsvorbereitungskurs, in der Spielgruppe etc., duzt man sich und selbstverständlich auch die Kleinen.

Nur - dann werden die Kleinen groß. Und auf einmal steht der ehemalige Klassenkamerad des Sohnes vor der Tür. Nur steht da jetzt nicht der süße kleine Christopher mit dem zahnlückigen Lächeln und der roten Kinderbrille. Jetzt steht da ein erwachsener Christopher - immer noch süß - aber Zahnlücken und Brille haben sich zugunsten von perfekten Zähnen und Kontaktlinsen verabschiedet.

Ich schaue überrascht zu ihm hoch (groß ist er auch geworden) und überlege fieberhaft mögliche Anredeformen. Spontan entscheide ich mich für den Kompromiss: „Hallo Christopher, kommen Sie doch herein …“

 

Diese Unsicherheit hat nicht nur eine zeitliche Komponente. Eine Gemengelage in Bezug auf die Anrede besteht beispielsweise auch, wenn man Freunde von Freunden kennen lernt. Wie reagiert man auf: „Das ist meine alte Schulfreundin Helga“? - „Meier, angenehm“? - Eher daneben. Also: „Hallo Helga, ich bin Isolde“, auch wenn ich Helga doch gar nicht kenne?

Und wie läuft das in Gruppen, in denen Erwachsene eine Zeit lang gemeinsamen Aktivitäten und Interessen nachgehen, zum Beispiel im Spanischkurs an der Volkshochschule, beim Reha-Sport  oder in der ZwAR-Gruppe? Oft wird gleich zu Anfang vom Kursleiter vorgeschlagen, dass man sich duzt. Für die meisten kein Problem, aber einige tun sich doch schwer damit, wildfremde Leute von jetzt auf gleich mit  „Du, Günther“ und „Du, Gesine“ anzusprechen.

Ich habe mich nach einigem Überlegen entschlossen, meine Leser zu duzen. Vielleicht teilt Ihr meine Interessen, vielleicht mögt Ihr auch nur einmal in meinen Blog hineinschnuppern - das Duzen schafft für mich eine direktere Ansprache, eine persönlichere Atmosphäre. Sollten Sie das nicht so sehen - es gibt immer noch die englischsprachige Variante von Vornamen + Sie ( Harold, would you be so kind as to close the window?)

 

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